Hoch im Ötztal, wo die Gipfel im Licht glitzern, da wohnen sie: die saligen Fräulein – lichte, sanfte Wesen, die über das Tal wachen.
Sie lieben die Stille der Berge, die Reinheit der Schneefelder, und die scheuen Gemsen, die sie wie Schwestern behüten.
Eines Tages war ein Jäger unterwegs. Reich war er – und kühn, zu kühn. Er jagte den Gemsen nach, immer weiter hinauf, bis in die Einsamkeit des „Hintereis“. Da, ganz plötzlich, bebte der Berg, die Gemsen verschwanden, und vor ihm stand eine Frauengestalt – so schön, dass ihm der Atem stockte. Goldenes Haar, ein Gewand, das funkelte wie der erste Schnee im Morgenlicht.
Sanft, aber bestimmt sprach sie: „Ich bin Haldiga, eine Schwester der Saligen. Du hast den Frieden unseres Reiches gestört. Versprich mir, nie mehr hierher zurückzukehren – dann will ich Glück über dich, dein Haus und dein Tal legen.“
Der Jäger schwor es, und ein Jahr lang war sein Leben wie ein gutes Lied: Frieden im Haus, Freude im Herzen. Doch als der Herbst kam, flackerte die alte Jagdleidenschaft wieder auf. Noch einmal wollte er hinauf.
Man sagt, er sei gegangen, hoch hinauf zu den stillen Gletschern. Und man sagt, dass er nicht zurückgekehrt ist. Die Berge blieben still – aber manchmal, wenn der Wind durch die Täler streicht, hört man ein Wispern.
Es sind die Saligen, die mahnen: „Wer den Frieden der Berge wahrt, dem wird auch Frieden geschenkt.“