Gesund durch den Herbst - wie wir unser Immunsystem jetzt unterstützen
Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger werden, beginnt für viele Menschen die klassische Erkältungszeit. Schnupfen, Husten und andere Atemwegsinfekte treten wieder häufiger auf. Schnell ist dann von einem „schwachen Immunsystem“ die Rede.
Doch lässt sich unsere Abwehr tatsächlich stärken? Und brauchen wir dafür spezielle Präparate oder sogenannte Immunbooster?
Unser Immunsystem ist kein Muskel, den wir kurzfristig „hochtrainieren“ können. Es ist ein hochkomplexes Netzwerk aus Zellen, Botenstoffen, Organen und Barrieren.
Was wir aber sehr wohl beeinflussen können, sind die Rahmenbedingungen, unter denen unsere Immunabwehr arbeitet: Schlaf, Bewegung, Ernährung, Stress, Rauchen und bestehende Erkrankungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Warum sind Infekte im Herbst häufiger?
Nicht die Kälte allein macht krank. Erkältungen und andere Atemwegsinfekte werden durch Viren verursacht.
Dass viele respiratorische Virusinfektionen in der kälteren Jahreszeit häufiger auftreten, hat mehrere Ursachen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Stabilität und Übertragung bestimmter Viren. Gleichzeitig verändert trockene Luft die Bedingungen an den Schleimhäuten der Atemwege. Auch unser Verhalten spielt eine Rolle: Wir verbringen wieder mehr Zeit in geschlossenen Räumen und kommen dort mit anderen Menschen in Kontakt.
Der saisonale Anstieg von Atemwegsinfektionen entsteht daher aus einem Zusammenspiel von Umwelt, Virus, menschlichem Verhalten und körpereigener Abwehr.
Schlaf – Regeneration für die Abwehr
Schlaf ist weit mehr als eine Ruhepause. Während wir schlafen, laufen zahlreiche Regulationsprozesse ab, die auch das Immunsystem betreffen.
Chronischer Schlafmangel kann Immunfunktionen beeinflussen und geht mit Veränderungen von Entzündungsprozessen einher.
Für den Alltag bedeutet das: Gerade in stressigen Herbstwochen sollte Schlaf nicht als verzichtbare Zeit betrachtet werden.
Hilfreich sind möglichst regelmäßige Schlafenszeiten, ein ruhiges Schlafzimmer und ein Tagesablauf mit ausreichend Licht und Bewegung.
Ernährung – Vielfalt statt „Superfood“
Für ein gut funktionierendes Immunsystem benötigt der Körper Energie, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und weitere Nährstoffe. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und hochwertigen Proteinquellen schafft dafür eine gute Basis.
Ein einzelnes Lebensmittel kann Infekte jedoch nicht verhindern. Der Begriff „Immunbooster“ vermittelt daher häufig eine falsche Vorstellung. Gesundheit entsteht nicht durch ein einzelnes Produkt, sondern durch das Zusammenspiel vieler Faktoren.
Vivea-Prinzip: Nicht das eine Superfood zählt – sondern das Ernährungsmuster.
Bewegung – auch wenn es draußen kühler wird
Mit sinkenden Temperaturen nimmt bei vielen Menschen auch die Alltagsbewegung ab. Dabei bleibt regelmäßige körperliche Aktivität eine der wichtigsten Grundlagen für langfristige Gesundheit.
Es muss nicht immer intensives Training sein. Spaziergänge, Wandern, Radfahren, Krafttraining oder zügiges Gehen lassen sich auch im Herbst gut in den Alltag integrieren.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit.
Wer krank ist, Fieber hat oder sich deutlich geschwächt fühlt, sollte dagegen auf intensives Training verzichten und dem Körper Zeit zur Erholung geben.
Stress und Regeneration
Auch Dauerstress gehört zum Thema Immungesundheit.
Kurzfristiger Stress ist eine normale Anpassungsreaktion. Problematisch kann eine anhaltende Belastung ohne ausreichende Erholung werden.
Deshalb gehören Pausen, Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte und bewusste Erholungszeiten zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil.
Longevity bedeutet nicht, jede Belastung zu vermeiden. Entscheidend ist die Fähigkeit, nach Belastung wieder in die Regeneration zurückzufinden.
Und was ist mit Vitamin D?
✓ Vitamin D nimmt eine besondere Stellung ein, weil ein großer Teil über die UV-B-Strahlung der Sonne gebildet wird. In der lichtärmeren Jahreszeit sinkt diese körpereigene Produktion.
✓ Vitamin D spielt auch für Funktionen des Immunsystems eine Rolle. Daraus folgt nicht, dass hohe Dosen automatisch vor Erkältungen schützen.
✓ Studien zur Vorbeugung akuter Atemwegsinfekte durch Vitamin-D-Supplementierung zeigen kein so einfaches Bild, dass eine pauschale Einnahme für alle Menschen als „Infekt Schutz“ abgeleitet werden könnte.
✓ Sinnvoll ist eine individuelle Beurteilung, insbesondere bei Risikofaktoren für einen Vitamin-D-Mangel. Eine Supplementierung sollte bedarfsgerecht erfolgen.
Was kann ich selbst tun?
Die wichtigsten Maßnahmen sind überraschend unspektakulär: ausreichend schlafen, regelmäßig bewegen, abwechslungsreich essen, nicht rauchen, Erholungsphasen einplanen und sich regelmäßig im Freien aufhalten.
Auch einfache Maßnahmen zur Verringerung der Übertragung von Atemwegsinfekten bleiben sinnvoll: regelmäßiges Lüften, Händehygiene und Rücksicht auf andere, wenn man selbst erkrankt ist.
Vivea-Tipp
Machen Sie den Herbst nicht zur Schonzeit, sondern zur Gesundheitszeit. Nutzen Sie möglichst täglich Tageslicht und Bewegung im Freien. Kombiniert mit regelmäßigem Schlaf und ausgewogener Ernährung unterstützen Sie damit mehrere Gesundheitssysteme gleichzeitig.
Fragen aus der Forschung
Warum erkrankt eine Person nach einem Viruskontakt, während eine andere gesund bleibt?
Wie wirken Schlaf, Stress, Ernährung, Mikrobiom und körperliche Aktivität zusammen?
Und welche Rolle spielen individuelle Unterschiede in der Immunantwort?
Die Forschung zeigt zunehmend, dass Immunabwehr nicht durch einen einzelnen Faktor erklärt werden kann.
Gerade dieses komplexe Zusammenspiel ist für Prävention und Longevity besonders interessant.
Vivea Wissen in 30 Sekunden
Immunsystem:
Komplexes Netzwerk statt einzelner „Abwehrwert“
Herbst:
Umweltbedingungen und Verhalten beeinflussen die Infekt Saison
Schlaf:
Wichtiger Bestandteil der Immunregulation
Bewegung:
Regelmäßig statt extrem
Ernährung:
Vielfalt statt Immunbooster
Vitamin D:
Gezielt statt automatisch hoch dosieren
Regeneration:
Belastung braucht Erholung
Nicht ein einzelner Immunbooster schützt uns – entscheidend ist ein Lebensstil, der unserem Körper gute Bedingungen für seine Abwehr gibt.
FAZIT
Ein gesundes Immunsystem braucht keine Wunderprodukte. Es braucht gute Bedingungen.
Schlaf, Bewegung, Ernährung, Regeneration und ein rauchfreier Lebensstil können dazu beitragen, die normale Funktion unseres Organismus zu unterstützen.
Gerade der Herbst bietet die Chance, diese Grundlagen wieder bewusster in den Alltag zu integrieren.
Ausblick
In der zweiten Vivea-Herbst-Sonderausgabe geht es um einen weiteren saisonalen Faktor:
Der Herbst stellt unsere innere Uhr um – Licht, Schlaf und Chronobiologie.
Priv. Doz. DDr. Sonja Kickmaier
Gesundheitsmanagement | Konzeption und Redaktion LongevitySonja Kickmaier hat in den USA zur Gesundheit -und Sozialwissenschaftlerin promoviert und war lange Zeit in der Funktion als Managerin klinischer Studien an der onkologischen Abteilung der Med Uni Wien tätig.
Seit 2018 ist sie für den Wissenschaftsbereich der Künig GmbH für die Vivea Hotels zuständig. Innovationen im Bereich Wissenschaft und Forschung sind ihr ein besonderes Anliegen. Sie unterrichtet auch an der Karl Landsteiner Universität in Krems Balneologie und betreut Nachwuchswissenschaftler: innen.
Sie haben noch Fragen?
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Wir sind gerne für Sie da und freuen uns auf Ihre Nachricht.
Wissenschaftliche Grundlage:
Moriyama M, Hugentobler WJ, Iwasaki A. Seasonality of Respiratory Viral Infections. Annual Review of Virology. 2020;7:83–101.